HIV + AIDS
"Uns fiel bald auf, dass uns immer mehr Vergewaltigungen bekannt wurden, durch die Einzelgespräche, in denen uns die Mädchen und Frauen anvertrauten, daß sie HIV-infiziert waren. Sie sagten das Unsagbare auf ihre Weise.
Achtzig Prozent der Frauen, die überlebt haben, wurden vergewaltigt, und über die Hälfte von ihnen ist HIV-infiziert. Schlau sind die Völkermörder vorgegangen, haben ihnen den schleichenden Tod eingeimpft. Ein großer Teil der Opfer ist bereits gestorben. den anderen fehlen so gut wie alle Mittel sich behandeln zu lassen.
Ich bin nicht pathetisch, ich beschreibe hier, was ich wirklich miterlebe, aus nächster Nähe: Als Therapeutin bei Avega sehe ich seit Jahren viele dieser Frauen sterben, und das Schwierigste dabei ist, dass meine Arbeit mir vor Augen führt, wie unfähig ich bin, meine Patientinnen am Leben zu halten.
Dafroza
Die erste, die ich verloren habe, hieß Dafroza:
sie war neunzehn, als sie starb, und vierzehn, als sie vergewaltigt wurde.
Sie war Kellnerin in einem Restaurant und uns aufgefallen, weil sie so unendlich traurig wirkte.
Ein zierliches Mädchen, so hübsch, aber eben mit diesen traurigen Augen, todtraurig.
Daran ist sie schließlich auch gestorben, an ihrer Traurigkeit, ihrer Krankheit, ihrer Verzweiflung.
Sie war von einer ganzen Mörderbande missbraucht worden, die kurz vorher fast ihre gesamte Familie niedergemetzelt hatte.
Wir von Avega mussten tatenlos zusehen, wie sie uns verstarb:
Wir hatten die fünfhundert Doller nicht
- die eine Dreifachtherapie damals pro Monat gekostet hätte -
um sie am Leben zu halten.
Gleichzeitig aber stellt der Internationale Strafgerichtshof,
der über die Verbrechen des Völkermords urteilt,
den Inhaftierten die Therapie kostenlos zur Verfügung.
Ein paar von den Mördern, die Dafroza infiziert haben, wurden im Ausland verhaftet;
sie warten dort auf ihren Prozess und werden, im Gegensatz zu ihr,
medizinisch behandelt, damit sie im Prozess aussagen können.
Dass Dafroza hätte am Leben bleiben müssen, um auszusagen, daran hat niemand gedacht."
Spenden für die Kombinationstherapie für Frauen, die während des Genozids vergewaltigt und mit HIV infiziert wurden.
"Das Überleben einer HIV-infizierten Frau bedeutet, dass man die Gnadenfrist verlängert, die sie mit ihren Kindern und Adoptivkindern verbringen kann – um ein Jahr, zwei, fünf Jahre vielleicht, und das ist immerhin ein Gewinn, ein Gewinn an empfangener Liebe, an einer Fülle gegebener Ratschläge, an Erinnerungen, die weitergegeben werden können."